Am Mittwoch, 28. Oktober 2026, war Frank Jöst, CEO des Unternehmens Microtec in Brixen, als „lebendes Buch“ zu Gast. Das Technologie-Unternehmen ist international tätig und hat Niederlassungen in Venedig-Mestre, in Finnland und Schweden, in den USA und in Kanada. Gespannt folgten die Schülerinnen und Schüler der Klassen 4A und 4F seinen Ausführungen über einen Lebensweg, der von Neugier, Mut und der Bereitschaft zur Veränderung geprägt ist.
Genau diese drei Begriffe – „Neugier. Mut. Veränderung.“ – stellte Frank Jöst an den Anfang seines Vortrags und nahm die Jugendlichen in drei Kapiteln mit auf seinen ganz persönlichen Weg.
Mein Weg: Nicht der perfekte Plan, sondern die nächsten mutigen Schritte
Mit viel Offenheit blickte Jöst auf die Zeit zurück, als er selbst 17 Jahre alt war: auf Interessen, Zweifel und erste Vorstellungen davon, wohin die Reise gehen könnte. Er erzählte, wie das landwirtschaftliche familiäre Umfeld, Schule, Kollegen und Begegnungen seinen Weg geprägt haben und wie eigene Entscheidungen und auch Zufälle zu Wendepunkten wurden. Längst nicht alles sei geplant gewesen, und gerade manche Umwege hätten sich als besonders wertvoll erwiesen. Den Schlüssel sieht er in der Neugier und im Mut, Unbekanntes auszuprobieren. So komme man als junger Mensch und später im Berufsleben gut weiter. Denn Karrieren wirken oft erst im Rückblick wie eine gerade Linie. Dieses Kapitel schloss er mit einer Frage, die viele im Raum beschäftigt haben dürfte: Muss man mit 17 schon wissen, wohin der eigene Weg führt?
Foto: WFO Bruneck
Die Welt: Weggehen verändert den Blick auf die Welt und auf die Heimat
Im zweiten Kapitel ließ der Referent die Jugendlichen an seinen beruflichen und privaten Erfahrungen im Ausland teilhaben. Wer in einem anderen Land lebt, müsse sich an die Gepflogenheiten der Menschen anpassen, ihnen zuhören und aktiv versuchen, Anschluss zu finden und sich zu integrieren. Nur so schaffe man sich selbst ein gutes Umfeld, denn niemand warte irgendwo auf einen und organisiere einem alles. Wer diesen Schritt wagt, lernt viel über die Welt und über sich selbst. Ist er deshalb aber eine Voraussetzung für eine erfolgreiche Karriere? Jösts Antwort fiel eindeutig aus: „Weggehen erweitert den Horizont. Aber Voraussetzung ist es keine.“ Gerade in Südtirol gebe es viele große Unternehmen, die international tätig sind und ihr Core Business im Ausland machen. Wer bei diesen Firmen arbeitet, kommt ebenfalls viel in der Welt herum. Außerdem warnte er vor allzu romantischen Vorstellungen: Es sei nicht alles Gold, was glänzt, und das Paradies gebe es nirgendwo. Jeder Ort habe seine Vor- und Nachteile.
Eure Zukunft: Arbeitswelt, Erwartungen und KI
Im dritten Kapitel richtete Jöst den Blick auf die Arbeitswelt, und zwar bewusst aus der Sicht des Arbeitgebers. Unternehmen achten bei der Mitarbeiterwahl darauf, ob junge Menschen echtes Interesse zeigen und mit Leidenschaft bei der Sache sind. Gefragt seien Mut und Authentizität sowie die Fähigkeit, zu den eigenen Entscheidungen zu stehen. Wer Karriere machen wolle, müsse zudem bereit sein, Verantwortung zu übernehmen und auch schwierige Aufgaben auf sich zu nehmen. Diese Verantwortung lasse sich auch im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz nicht abgeben. Zwar nehme die KI als Beschleuniger viele Aufgaben ab, doch es brauche immer den Menschen, der die aus daten zusammengestellten Ergebnisse prüft, einordnet und beurteilt, und der entscheidet, was davon verwertet und präsentiert werden kann. Dazu gab er den Jugendlichen eine Frage mit auf den Weg, die zum Nachdenken anregt: Was unterscheidet euch, wenn alle dieselbe leistungsfähige KI nutzen können?
In der anschließenden Fragerunde nutzten die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, mit dem Gast ins Gespräch zu kommen. Sie wollten unter anderem wissen, wie Frank Jöst innerhalb des Unternehmens zum CEO aufgestiegen ist und warum seiner Meinung nach viele junge Menschen nach dem Studium nicht nach Südtirol zurückkehren.
Ein herzliches Dankeschön geht an Frank Jöst für seine Zeit, seine Offenheit und die vielen wertvollen Impulse für den Weg unserer Schülerinnen und Schüler in die Zukunft.