Dr. Martin Fronthaler, Leiter des Therapiezentrums erzählte uns zuerst etwas über das Zentrum und dessen Patienten: Das Bad Bachgart hat zwei Abteilungen. Zum einen gibt es die Suchtabteilung, in der vor allem Menschen mit Alkoholsucht betreut werden, aber auch Menschen, die an anderen Süchten leiden wie zum Beispiel an der Internet-, Spiel- oder Einkaufssucht, also an nicht substanzgebundenen Süchten. Weiters gibt es noch die Abteilung für Psychosomatik, wo Menschen mit Depressionen, Angstzuständen, Burnout, Zwangsängsten, Persönlichkeitsstörungen, Essstörungen u.a. betreut werden. Die Hauptsucht, die im Zentrum betreut wird, ist jedoch die Alkoholsucht. Das erforderte Alter für eine Therapieannahme ist grundsätzlich 18 Jahre; eine Ausnahme bildet die Essstörung, bei welcher auch Jugendliche ab 16 Jahren aufgenommen werden.
Alle Patienten melden sich freiwillig und sind sich ihrer Sucht auch bewusst. Deshalb fühlen sie sich auch nicht als „Ausstellungsstücke", wenn Besuch kommt. Peter, einer der Patienten mit Burnout, gesellte sich zu unserer Gruppe und erzählte selbst ein wenig von sich: Er sei nun am Ende seiner 8-wöchigen Therapie und könne am kommenden Dienstag das Zentrum verlassen. Von Beruf ist er Elektriker und ihm bot Bad Bachgart eine gute Möglichkeit, seine Krankheit zu überwinden. Auch erzählt er uns von seinem Tagesablauf, der für jeden Patienten streng geregelt ist: Nach dem Aufstehen haben die Patienten eine Stunde Yoga oder Chi Gong, nach dem Frühstück stehen dann entweder Themengespräche in der Gruppe oder Einzelgespräche mit dem jeweiligen Therapeuten auf der Tagesordnung. Auch Reitstunden oder ein Morgenspaziergang gehören zum Programm.
Ausgänge gibt es in den 6-8 Wochen Aufenthalt ebenfalls: In der ersten Woche darf ein Patient einen Spaziergang machen, jedoch nur in Begleitung, da die Gefahr eines epileptischen Anfalls bei Alkoholsüchtigen immer sehr groß ist. Nach der 3. Woche steigern sich dann die Ausgänge von einem halbtägigen Ausgang bis hin zu max. einer externen Übernachtung. Die schärfste Regel im Zentrum ist das Handyverbot.
Im Zentrum arbeiten 8-9 Psychologen, 4 Psychiater, 11-12 Krankenpfleger/innen, Tanz-, Pferde-, Reit- und Schreibtherapeuten und auch 2 Ergotherapeuten, also ausreichend Personal für die 40 Patienten der Psychosomatik bzw. den 25 Patienten in der Suchtabteilung.
Auf die Frage nach der Abbruchzahl antwortete uns Herr Dr. Fronthaler „Zurzeit hat unser Zentrum eine „Drop-out-Quote" von 4,5%, was ein wirklich geringer Anteil ist." Bei den Rückfällen sieht es schon anders aus. Er erklärt uns die 1/3-Regel: 1/3 der Patienten verlassen das Zentrum und rühren nie mehr eine Flasche Alkohol an. 1/3 erleidet zwar Rückfälle, macht aber weiterhin eine Therapie, und das letzte Drittel wird leider wieder rückfällig.
Nach unserem Gespräch unternahmen wir noch eine kurze Besichtigung der Turnhalle, der Werkstatt und der Malwerkstatt und anschließend verabschiedeten wir uns von Herrn Dr. Fronthaler und Peter.
Vielen Dank für diesen lehrreichen und interessanten Nachmittag.
Judith Leitner
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